Bildet Commons! Nikolai von Cosum bei Silke Helfrich.

Und in welchen Schritten Cosum ein Commons wird.

Wie Commons funktionieren können, dies erklärte Silke Helfrich auf einem Workshop im Bildungswerk Berlin. Das Thema lautete „Commons statt Waren“. Dazu veröffentlichte sie ihr neues Buch „Frei, fair und lebendig. Die Macht der Commons.“

Silke Helfrichs‘ Sprache ist enorm präzise. Mir machte das Freude, weil eingefahrenes Denken vom Grund her überdacht wird. Sprache hat Macht, denn sie schafft Wirklichkeit. In diesem Sinne ändern wir durch eine andere Sprache auch schon etwas an unserer Wirklichkeit und Anschauung auf die Welt. Ihr Workshop war theoretisch, wie ich finde, sehr allgemein. Dennoch war es ein gelungener Workshop, der uns bei Cosum hilft, Leihprojekte als Commons zu denken und umzusetzen.

Für mich kam es zu einem interessanten Aha-Erlebnis als Silke Helfrich die Entscheidungsfindung der süd-amerikanischen Cecosesola erklärte. Dafür gab sie den 25 Teilnehmenden eine Aufgabe:
„Sucht euch einen gemeinsamen Urlaubsort aus!“.

Viele Teilnehmende meldeten sich und gaben Ortswünsche an. Einer sagte „es sollte warm sein“, eine wollte „ans Meer“, jemand wollte „in die Berge“, weitere sagten „an die Ostsee“, „kalt sollte es sein“, „in den Süden“ usw. Alle Wünsche wurden aufgeschrieben.
Der Kniff für den Auswahl-Prozess war nun, dass Wünsche gebündelt und wenn möglich integriert wurden z.B. ein südlicher Meeresort bei den Bergen. Zu konkrete Vorschläge sollten ver-allgemeinert werden.
Aus Ostsee wurde – nach Zustimmung der Person, die den Wunsch einbrachte – ans Meer fahren. Da es zuletzt nicht vereinbarbare Interessen gab, wurde aus der Gruppe 2-3 Menschen bestimmt, die eine Lösung aushandeln sollten bzw. eine Auswahl an Orten der Gesamtgruppe zur Wahl zu stellen.

Hier seht ihr die Definition von Commoning aus einer Kleingruppe. Das ist also selbst Ergebnis eines Commoning.

Zur besseren Lesbarkeit habe ich das Fotos hier verschriftlicht. Vorsicht eine fette Definition: „Commoning ist eine für alle verbindliche Verabredung einer Gemeinschaft gleichberechtigter Menschen darüber, wie gemeinsame Teilhabe an Ressourcen – materielle wie immateriell geregelt wird. Dabei beziehen sich alle aufeinander in gegenseitiger Fürsorge und für
die Mitwelt, solidarisch, kompromißbereit und selbstorganisiert.“

Nun zu Cosum. Wir sind ein kleines Team aus 3 Leuten. In dieser Gruppengröße können wir einfach und unkompliziert Entscheidungen miteinander abstimmen.

Die Leih-Plattform steht allen Interessierten offen. Die Anmeldung ist einfach. Auch der Cosum-Code ist opensource also frei verfügbar. Die Leihorte sollten Commons sein, wo sich die Mitglieder selbst Regeln z.B. des Leihens, der Beteiligung gegeben haben. Wir wünschen uns, dass die Menschen etwa aus einem Haus sich zusammenfinden und die Leihregeln besprechen, festlegen und veröffentlichen z.B. in einem Aushang. In der Terminologie Silke Helfrichs könnte man das „Commoning“ nennen. Ohne Commoning keine Commons. Ohne gemeinsame Absprachen und Fixierung von Regeln, keine gemeinsamen Güter wie ein Leih-Lastenrad.

Was können wir bei Cosum tun, um Cosum noch mehr zum Commons zu machen?

1) Wir 3 Cosum-Organisatoren treten dem Commons Institut Verein bei.
2) Wir vernetzen uns mit Berliner Commons-Aktiven aus Gemeinschaftsgärten und
zeigen ihnen wie wir arbeiten und bieten die Cosum-Plattform als Grundlage z.B.
für den Verleih von Gartengeräten in Gartenprojekten an.
3) Wir verbessern das Glossar auf unserem Blog, in dem wir die Commons-Begriffe besser erklären.
Leihorte sollen Commons sein und bedürfen daher des Commoning (also gemeinsamen Abstimmungsprozesses vieler Mitglieder). Leihdinge sind wie Commons-Dinge und sollten achtsam behandelt werden.

Für Rückfragen stehe ich euch gern unter nikolai(at)cosum.de zur Verfügung.

Soweit von mir
Herzliche Grüße
Nikolai, ein Commoner